Mia & Isabell

Einfach mal Raus, Einfach mal Durchatmen.

Viele von euch kennen mich nur von meinen Fotografien und wissen sehr wenig über mich als Person. Ich komme, wenn man es auf den beruflichen Kontext bezieht, eigentlich überhaupt nicht aus der Fotografie, sondern bin eine echte Vollblutpädagogin. Die Arbeit mit Kindern, egal in welchem Alter, hat mich schon immer erfüllt, denn ich sehe so viel Sinn und Bedarf in dieser Art der “Arbeit”. Während meines Studium (Erziehungswissenschaften) arbeitete ich viel mit Kindern in Ferienbetreuungen, Kindergärten und Förderschulen zusammen. Ich habe Kinder mit Autismus betreut und zugleich auch in einem Gymnasium in allen Klassenstufen (bis 10.) Englisch unterrichtet (habe einen Zweifachbachelor in Englisch und Pädagogik abgeschlossen). Momentan während meines Masterstudiums zog es mich in die Richtung der Betriebspädagogik, weshalb ich aktuell in einem unglaublich interessanten Arbeitsbereich bei einem großen Konzern mit wundervollen Menschen Schulungskonzepte für Azubis entwickle und in allen Feldern der Nachwuchssicherung dazulerne.

Was ich aus meiner Erfahrung sagen kann: Egal ob 16 jähriger Azubi, dreijähriges Kind, 10 jähriger Schüler oder auch 26 jährige Fotografin – ich denke wir stimmen alle zu, dass jede Beziehung zwischen Kind und Mutter etwas Besonderes und wichtig für jedermanns Entwicklung ist. Man wird nicht Mama weil man jemanden das Leben geschenkt hat, sondern weil man auf dieses Leben Acht gibt, dieses Leben mit seinem Leben schützt und genau dieses Leben formt mit positiven Einflüssen und einer vertrauensvollen Beziehung. Habt ihr eure Mama nie kennengelernt, hat das bestimmt seine Gründe aber das bedeutet nicht, dass ihr in eurem Leben keine Mama hattet, sondern eben jemanden der euch zwar nicht auf die Welt gebracht hat, allerdings hat dieser Jemand genau so auf euch Acht gegeben und euch alle Normen und Werte mit auf den Weg gegeben, die euch zu dem gemacht haben was ihr seid.

Es geht mir eigentlich vor allem darum, die Schönheit in dieser Beziehung zu zeigen. Mit Respekt, Vertrauen und Kommunikation wachsen die wunderbarsten Freigeister heran und auch Mia ist einer davon. Bei meinem Spaziergang mit Isabell und Mia ist mir wieder aufgefallen, wie sehr ich es mag mit Kindern zu arbeiten und diese Arbeit dann natürlich noch mit meiner Passion für die Fotografie zu verbinden: Optimal. Es war so schön zu sehen wie sie alles analysiert, über alles quatscht, mir direkt offen gegenüber getreten ist und so gut wie garnicht gefremdelt hat. Ich bin mir sicher, dass manche Kinder von ganz alleine so sind, allerdings kann ich auch sagen, dass diese Eigenschaft definitiv ebenso von einem bestimmten Erziehungsaspekt kommt: Freiheit.

Gönnt man seinem Kind Freiheit wird es sich mit sich selbst auseinander setzen müssen. Es wird seine Grenzen austesten, hinfallen, weinen, aufstehen & weitermachen – und eventuell wieder hinfallen. Und das ist okay. Es wird selbst lernen zu fragen ob es etwas haben darf und wenn es sich nicht traut zu fragen – hmmm.. dann scheint das Verlangen nicht groß genug zu sein. Es wird selbst auf Menschen zugehen und mit ihnen sprechen, weil es die Freiheit kriegt, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Und was für mich am wichtigsten an der ganzen Sache ist: Es wird durch die Freiheit und ohne Rundumbetreuung lernen Langweile zu haben. Ohne Beschäftigung von Mama, ohne Dauerbeschallung von Medien und ohne Spielkumpanen wird das Kind lernen mit Langweile umzugehen und somit selbstständig ganz kreative Wege finden sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das ist etwas enorm wichtiges was selbst wir als Erwachsene durch die Medienwelle verlernen. Wann war dir das letzte Mal langweilig? Ohne dass es dich direkt vor den TV oder den Laptop gezogen hat oder ohne dass du direkt am Handy umgetippt hast? Rausgehen, Spielen, Spazieren gehen, Malen, Schreiben, Lesen, Basteln – Dinge an die ich mich erinnere, wenn ich an meine Kindheit denke. Heute rücken diese Dinge (ich spreche nur von mir) weit in den Hintergrund bei all dem Alltags- und Freizeitstress. Aber wieso?

In nächster Zeit werden ich mich viel mehr auf genau diese Dinge konzentrieren. Vor allem auf das Schreiben, ich liebe das Schreiben – ich liebe Briefe – wenn ich einen Brief verfasse und abschicke, dann bringt mir das tausend Mal mehr Glücksgefühle als das Staffelende von Modern Family und das war echt gut! So Dinge lerne ich meist nicht aus Büchern und nicht von Podcasts, sondern in den meisten Fällen eben von Kindern. Denn ihre Sicht der Dinge ist so pur: wie bei Mia an unserem Spaziergang. Natürlich war ihr bewusst dass wir schöne Bilder machen möchten, die man dann Zuhause aufhängen kann. Aber für sie war das primär garnicht im Fokus. Sie hat alles um sich herum wahrgenommen, hat von selbst angefangen Müll aufzusammeln, um ihn später wegzuwerfen (in der Situation hat sie mein Herz gewonnen) und wollte unbedingt zu den Pferden. Das war ihre Mission an diesem Nachmittag. Sie wollte unseren Spaziergang bei den Pferden beenden und das haben wir getan. Sie konnte keins streicheln und auch nicht reiten, weil wir sie nur von weitem betrachten konnten, aber das hat ihr gereicht. Das hat sie vollkommen glücklich gemacht. Und das hat mir wiedermal gezeigt, dass wir unseres eigenen Glückes Schmied sind – so alt wie der Spruch auch sein mag. Mich wird niemand an den Stuhl binden und es wird mir niemand den Stift in die Hand stecken und sagen: schreib. Keiner meiner Freunde wird sagen: Ah, ich möchte heute doch nichts mit dir machen, denn du solltest lieber mal ein bisschen malen und Briefe schreiben (wieso auch, das wäre verrückt). Aber Mia hat mir das ganz gut vorgelebt: Sie hat sowohl die Wünsche ihrer Mama berücksichtigt und hatte sogar enorm viel Spaß beim Shooting – sie hat aber auch auf ihre eigenen Bedürfnisse gehört und wollte unbedingt gerne noch zu den Pferden (was sie sich schon zu Beginn des Spaziergangs vorgenommen hat)

Die Moral von der Geschichte ist also, dass uns niemand zwingen wird die Dinge zu tun die uns glücklich machen. “Ich habe keine Zeit für Hobbys” ist ziemlich unsinnig, das wissen wir selbst. Denn wir haben alle die gleiche Anzahl an Tagen und Stunden in einer Woche zur Verfügung. Wir müssen sie nur für uns und unsere Bedürfnisse nutzen und die richtigen Prioritäten setzen.

  • Also danke dir Mia und danke Isabell, dass ich euch kennenlernen durfte und danke für die schöne Erkenntnis 🙂
  • und vor Allem auch danke an meine eigene Mama, die sich mit (glaubt mir) einem riesigen Haufen Geduld und Zeit, mit Vertrauen und Kreativität nun schon über 26 Jahre mit mir “rumschlägt” und enorm dazu beigetragen hat dass ich nun bin wer ich bin und tue was ich tue.

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